Gedichte


Der Samstag ist meist so ein Tag,
den der Vater nicht leiden mag.
Es wirbelt der Staub, der Besen schwirrt,
man irrt umher und wird verwirrt.

(Wilhelm Busch)


Haß, als minus und vergebens, wird vom Leben abgeschrieben.
Positiv im Buch des Lebens steht verzeichnet nur das Lieben.
Ob ein Minus oder Plus uns verbleiben, zeigt der Schluß.

(Wilhelm Busch)


Ratsam ist und bleibt es immer
für ein junges Frauenzimmer,
einen Mann sich zu erwählen
und womöglich zu vermählen.
Erstens: will es so der Brauch.
Zweitens: will man´s selber auch.
Drittens: man bedarf der Leitung
und der männlichen Begleitung,
weil bekanntlich manche Sachen,
welche große Freude machen,
Mädchen nicht allein verstehn,
als da ist ins Wirtshaus gehn.

(Wilhelm Busch)


Sie hat nichts und Du desgleichen;
dennoch wollt Ihr, wie ich sehe,
zu dem Bund der heil´gen Ehe
Euch bereits die Hände reichen.

Kinder, seid Ihr denn bei Sinnen?
Überlegt Euch das Kapitel!
Ohne die gehör´gen Mittel
soll man keinen Krieg beginnen.

(Wilhelm Busch)


Die Liebe war nicht geringe. 
Sie wurden ordentlich blaß;
sie sagten sich tausend Dinge
und wußten noch immer was.

Sie mußten sich lange quälen,
doch schließlich kam´s dazu,
daß sie sich konnten vermählen.
Jetzt haben die Seelen Ruh.

Bei eines Strumpfes Bereitung
sitzt sie im Morgenhabit;
er liest in der Kölnischen Zeitung
und teilt ihr das Nötigste mit.

(Wilhelm Busch)


Begrüße jeden Morgen, den dir der Herrgott gibt.
Es ist so schön zu sorgen für Menschen, die man liebt.

(Ebner-Eschenbach)


Wenn´s Dir in Kopf und Herzen schwirrt,
was willst Du besseres haben?
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
der lasse sich begraben!

(Goethe)


Ihr seid nun eins, ihr beide,
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des guten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt,
durch Streit und Zwietracht werde nie
euer Bund gestört.

(Goethe)


Liebe ist etwas Ideelles,
Heiraten etwas Reelles.
Und nie verwechselt man ungestraft
das eine mit dem anderen.

(Goethe)


Es stimmt wohl, wenn die Menschen sagen,
sein Päckchen muß ein jeder tragen,
das natürlich am wenigsten drückt,
die, die ein dickes Fell beglückt.

Des Menschen Dasein, alt wie jung,
lebt zwischen Hoffnung und Erinnerung.
Jung, sieht dem Wunsch er alle Tore offen,
und alt erinnert er sich an sein Hoffen.

(Grillparzer)


Sag mir, wer einst das Küssen erfund?
Das war ein glühend glücklicher Mund;
Er küßte und dachte nichts dabei.
Es war im schönen Monat Mai,
Die Blumen sind aus der Erde gesprungen,
Die Sonne lachte, die Vögel sungen.

(Heinrich Heine)


Küsse, die man stiehlt im Dunkeln
Und im Dunkeln wiedergibt,
Solche Küsse, wie besel´gen
Sie die Seele, wenn sie liebt!

Ahnend und erinnerungstüchtig
Denkt die Seele sich dabei
Manches von vergangnen Tagen,
Und von Zukunft mancherlei.

Doch das gar zu viele Denken
Ist bedenklich, wenn man küßt;-
Täume lieber, liebe Seele,
Weil das Träumen leichter ist.

(Heinrich Heine)


Gezeiten der Liebe
Ein Mensch schreibt mitternächtig tief
An die Geliebte einen Brief,
Der schwül und voller Nachtgefühl.
Sie aber kriegt ihn morgenkühl,
Liest gähnend ihn und wirft ihn weg.
Man sieht, der Brief verfehlt den Zweck.
Der Mensch, der nichts mehr von ihr hört,
Ist seinerseits mit Recht empört.
Und schreibt am hellen Tag, gekränkt
Und saugrob, was er von ihr denkt.
Die Liebste kriegt den Brief am Abend,
Soeben sich entschlossen habend,
Den Menschen dennoch zu erhören -
Der Brief muß diesen Vorsatz stören.
Nun schreibt, die Grobheit abzubitten
Der Mensch noch einen zarten dritten
Und vierten, fünften, sechsten, siebten
Der herzlos schweigenden Geliebten.
Doch bleibt vergeblich alle Schrift,
Wenn man zuerst daneben trifft.

(Eugen Roth)


Bühne des Lebens
Ein Mensch, von einem Weib betrogen,
Ergeht sich wüst in Monologen,
Die alle in dem Vorsatz enden,
Sich an kein Weib mehr zu verschwenden.
Doch morgen schon - was gilt die Wette? -
Übt wieder dieser Mensch Duette.

(Eugen Roth)


Trauriger Fall
Ein Mensch, der manches liebe Jahr
Mit seinem Weib zufrieden war,
Dann aber plötzlich Blut geleckt hat,
Denkt sich: „Varietas delectat -“
Und schürt sein letztes, schwaches Feuer
Zu einem wilden Abenteuer.
Jedoch bemerkt er mit Erbosen,
daß seine alten Unterhosen
Ausschließlich ehelichen Augen
Zur Ansicht, vielmehr Nachsicht, taugen
Und daß gewiß auch seine Hemden
Ein fremdes Weib noch mehr befremden,
Daß, kurz, in Hose, Hemd und Socken
Er Welt und Halbwelt nicht kann locken.
Der Mensch, der innerlich noch fesche,
Nimmt drum, mit Rücksicht auf die Wäsche,
Endgültig Abschied von der Jugend. 

Und macht aus Not sich eine Tugend.

(Eugen Roth)


Diese Blumen sollen sagen,
was wir heut alle Denken:
Das Glück mag alles überragen
und das Familienleben lenken.

(Winkler)


Ein Paar hat sich gefunden
und Liebe sich geschenkt
für Tausende von Stunden
sei´s nun vom Glück gelenkt.

(Winkler)


Zum Trost (für <ER>)

Die Glocken hall´n noch grell im Ohr,
jetzt stehst du da, du armer Thor.
Das Ja-Wort hast du ihr gegeben,
nun ist vorbei das schöne Leben.

Den Flitzer hast - von Glück berauscht -
mit ´nem Kombi du getauscht.
Durch Dick, durch Dünn, durch alle Lagen
mußt mit Anhang dich nun plagen.
„War es das wert?“ wirst du dich fragen.

Ist der erste Spross geboren,
dann hast gänzlich du verloren.
Mit der Nachtruh ist´s vorbei,
tagein, tagaus nur noch Geschrei.

Doch ganz ehrlich wenn man ist,
wurde man auch oft genug bepißt -
und ist doch das Schaffen neuen Lebens
Inhalt eines jeden Strebens.

Nun gut, so hat die Zweisamkeit
auch hier und da Glückseligkeit.
Die, der du das Wort gegeben,
will treu und stark nun mit dir leben
Die guten wie die schlechten Zeiten
könnt ihr nun zu zweit bestreiten.

(unbekannt)

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